Kirche auf der Fete

Jedes Jahr feiert das schöne kleine Lauenau im Landkreis Schaumburg seine Fleckenrechte mit einer Fleckenfete.

In diesem Jahr feiern wir 500 Jahre Reformation, also rausgehen, das Wort ergreifen, zuhören und zeigen woran wir glauben. So hat, nach mehreren Wochenmärkten, auch in Lauenau ein Team unter Leitung unseres Superintendenten Kühne-Glaser einen Stand des Kirchenkreises aufgebaut.

Da darf natürlich ein besonderer Hingucker nicht fehlen. So ein großes blaues Ding, wenn es auch viele auf den ersten Blick für den Klowagen gehalten haben, fällt schon auf. Ein Kirchturm mit Glocke, einladende Sofas, ein Altar, Kerzen und ein Kreuz.

Die erste Frage ist immer:   Kann man hier auch beichten?

Es scheint also eher katholisch auszusehen, oder was verbinden evangelische Christen mit Beichte? Das ist noch etwas undeutlich. Aber egal, die Antwort lautet immer: Klar wenn Sie möchten, gehen Sie rein, setzten Sie sich und erzählen Sie es ihm. Er wird zuhören!

Ok uns irritiert es dann ein wenig wenn sich jemand mit uns unterhält, dann den Kopf zum Altar dreht und mit jemand anderem spricht. Das ist in einer 5m Kirche etwas anders als in einer großen. Aber auch das ist besonders schön, man ist nah an anderen Menschen in der Kirche, immer sehr nah am Altar, man kann im Sitzen die Luther Bibel 2017 oder die Einheitsübersetzung 2017 greifen und etwas blättern.

Es ist manchmal schwer die Leute zum Eintreten in die Kirche, also das Kirchenmobil, zu bewegen. Wir zeigen von der Tür das ansprechende Innere, das bequeme Sofa und den ruhigen entspannten schlichten Ort auf einem trubeligem Fest. Dann aber, nachdem sie sitzen, dauert es länger, es wird geredet, man ist neugierig, man erzählt fremden Menschen von der eigenen Familie, von schweren Zeiten, von Problemen, von Ängsten und von Not.

Irgendwie funktioniert eine fahrbare Kirche automatisch, problemlos. Aber nur wenn sie erst sitzen.

Ist das wie in einer großen Kirche? Wie in der Institution Kirche? Die Menschen sehnen sich nach Zuhörern, nach Gleichgesinnten, nach Menschen die ihren Glauben zugeben und leben. Menschen die so verrückt sind, ihr Wochenende mit einer mobilen Kirche zu verbringen?

Wir lassen das mal so stehen!

Müssen wir das in eine große, alte Kirche übersetzen? Kann man das da auch? Macht das aber auch Sinn?

Oder brauchen wir mehr kleine Kirchen auf Feten, mehr Menschen die für andere da sind, das Evangelium nicht verkünden, sondern es leben und andere daran teilhaben lassen?

 

About the author: Ralf Schönbeck

Baumeister und Kutscher Kirchenmobil. Ehrenamtlicher der ev. -luth. Kirche Obernkirchen Kirchenvorstand, Webmaster, Jugendleiter, Technikteam Förderverein Stiftskirche Obernkirchen http://twitter.com/bussfoerare

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  1. Geertje Wallasch - 20. August 2017 at 15:34 Reply

    Danke für diesen Beitrag. Ja ich denke oft, dass wir viel öfter einen „Bringdienst“ aktivieren müssten, als auf Gottesdienstbesucher zu warten….

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